Broken-Heart-Syndrom
Wie starke Trauer und seelische Belastungen das Herz beeinflussen können
Starke seelische Belastungen und Trauer können sich auch auf das Herz auswirken. Ein bekanntes Beispiel dafür ist das Broken-Heart-Syndrom, medizinisch Takotsubo-Syndrom genannt. Es kann nach aussergewöhnlich belastenden emotionalen Ereignissen auftreten und Beschwerden verursachen, die einem Herzinfarkt ähneln.
Forschende der Rice University in Houston, Texas, untersuchten, welche körperlichen Veränderungen bei Menschen nach dem Verlust ihres Ehepartners auftreten. Dabei zeigte sich, dass besonders starke Trauer mit erhöhten Werten bestimmter entzündungsfördernder Botenstoffe verbunden sein kann. Die Untersuchung liefert damit weitere Hinweise darauf, wie eng Trauer, körperliche Stressreaktionen und Herzgesundheit miteinander verbunden sind.
Schwere Trauer belastet das Herz
Die Ergebnisse dieser Untersuchung zeigen, wie deutlich sich starke Trauer auch körperlich bemerkbar machen kann. Die Teilnehmenden wurden anhand der Stärke ihrer Trauer in zwei Gruppen eingeteilt. Bei Menschen mit besonders ausgeprägter Trauer waren die Werte bestimmter entzündungsfördernder Botenstoffe erhöht. Besonders zeigten sich Unterschiede bei den Zytokinen IL-6, TNF-α und IFN-γ.
An der Studie nahmen 99 Personen teil, die ihren Ehepartner vor Kurzem verloren hatten. Zum Zeitpunkt der Untersuchung lag der Verlust durchschnittlich etwa drei Monate zurück. Voraussetzung war, dass die Teilnehmenden vor dem Verlust mindestens drei Jahre mit ihrem Partner verheiratet gewesen waren. Diese Voraussetzung orientierte sich an der Bindungstheorie Erwachsener und sollte sicherstellen, dass eine länger bestehende partnerschaftliche Bindung vorlag.
Auch frühere Untersuchungen zeigten, dass Menschen nach dem Verlust eines nahestehenden Partners ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben können. Die Forschenden der Rice University wollten deshalb genauer untersuchen, ob sich innerhalb einer Gruppe von Hinterbliebenen erkennen lässt, wer durch besonders starke Trauer körperlich stärker belastet ist.
Risikoeinschätzung mit Fragebogen und Labortests
Die Forschenden erfassten mit Fragebögen demografische und klinische Angaben sowie Körpergewicht, Körpergrösse und Taillenumfang. Die Stärke der Trauer wurde mit dem standardisierten Fragebogen ICG (Inventory of Complicated Grief) erfasst. Zusätzlich wurden morgens Blutproben entnommen, um die Konzentration bestimmter Zytokine zu bestimmen.
Zytokine sind körpereigene Botenstoffe, die unter anderem Entzündungsreaktionen steuern. Werden bestimmte entzündungsfördernde Zytokine über längere Zeit oder verstärkt ausgeschüttet, können Entzündungsprozesse im Körper zunehmen. Diese können Gewebe und Blutgefässe belasten und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen.
Zur Bestimmung der Zytokinwerte untersuchten die Forschenden Zellkulturen aus Vollblut. Dabei zeigte sich, dass bei den besonders stark trauernden Teilnehmenden vor allem die entzündungsfördernden Zytokine IL-6, TNF-α und IFN-γ erhöht waren.
Neuere Forschung zum Broken-Heart-Syndrom
Eine 2026 veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse untersuchte den Zusammenhang zwischen psychischer Belastung und dem Broken-Heart-Syndrom. Ausgewertet wurden 16 Studien mit 1'133 Betroffenen und 1'396 Personen in Vergleichsgruppen. Die Ergebnisse zeigen, dass akute emotionale Belastungen bei Menschen mit Broken-Heart-Syndrom häufiger vorkamen. Auch länger bestehende psychische Belastungen und frühere belastende Erfahrungen spielten eine Rolle. Die Forschung unterstreicht damit, dass starke seelische Belastungen mit körperlichen Reaktionen verbunden sein können, die sich auch auf das Herz und seine Funktion auswirken.
Quelle
Fagundes, C. P. et al. (2019): Grief, depressive symptoms, and inflammation in the spousally bereaved. Psychoneuroendocrinology, 100, 190–197.
Exploring the Role of Psychological Stress in Takotsubo Cardiomyopathy: The “Broken Heart” Syndrome. Systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse, 2026.
Veronika Barczak
Komplementärtherapeutin mit eidgenössischem Diplom
Aktualisiert: September 2026