Erschöpft nach Covid - und nichts ist mehr wie vorher
Craniosacral Therapie bei Long Covid & Fatigue
Ich war vorher belastbar. Jetzt reagiert mein Körper anders. Ich weiss nicht mehr, was ich ihm zutrauen kann. Andere sehen vielleicht gar nicht, wie viel Kraft mich der Alltag kostet.
So oder ähnlich beschreiben Menschen nach einer Covid-Erkrankung, wie sehr sich ihr Alltag verändert hat. Erschöpfung, eine deutlich geringere Belastbarkeit, Konzentrations- oder Schlafprobleme können dazu führen, dass vieles, was früher selbstverständlich war, plötzlich nicht mehr selbstverständlich ist.
Besonders schwierig kann die Unberechenbarkeit sein: Was gestern noch möglich war, kann heute bereits zu viel sein. Dadurch kann auch das Vertrauen in den eigenen Körper und die eigene Belastbarkeit ins Wanken geraten.
Wenn der eigene Körper nicht mehr berechenbar erscheint
Bei Long Covid kann es schwierig sein, die eigenen Belastungsgrenzen einzuschätzen. Was sich im Moment noch gut anfühlt, kann manchmal erst Stunden später oder am nächsten Tag zu einer deutlichen Zunahme der Beschwerden führen.
Selbst körperliche, geistige oder emotionale Anstrengungen können dabei eine Rolle spielen. Diese Unberechenbarkeit kann verunsichern. Gewohnte Massstäbe funktionieren plötzlich nicht mehr: Wie viel kann ich mir heute zumuten? Wann brauche ich eine Pause? Und woran erkenne ich rechtzeitig, dass es genug ist?
Deshalb geht es nicht darum, möglichst schnell wieder leistungsfähiger zu werden. Wichtig ist, die individuelle Belastbarkeit ernst zu nehmen, die eigenen Grenzen besser kennenzulernen und mit den vorhandenen Kräften achtsam umzugehen. Das bedeutet auch, nicht ständig gegen die Erschöpfung anzukämpfen, sondern die Signale des Körpers ernst zu nehmen und Aktivitäten, Pausen und Erholung so aufeinander abzustimmen, dass die vorhandene Energie möglichst gut eingesetzt werden kann.
Was bedeutet das für die Behandlung?
Wenn bereits kleine Belastungen viel Kraft kosten, muss sich auch die Behandlung an der aktuellen Situation orientieren. Deshalb gibt es keinen starren Ablauf. Wir schauen zu Beginn gemeinsam, wie es Ihnen an diesem Tag geht, was gerade möglich ist und was Sie brauchen.
Die Behandlung findet bekleidet statt und kann sehr ruhig gestaltet werden. Sie müssen nichts leisten und nichts aushalten. Berührungen und manuelle Impulse werden individuell angepasst. Pausen sind jederzeit möglich. Auch die Dauer, die Lagerung auf der Liege oder der Anteil des Gesprächs können an die jeweilige Belastbarkeit angepasst werden.
Wenn Ruhe allein nicht ausreicht
"Warum erhole ich mich trotz Ruhe nicht – und wie finde ich einen Umgang mit einem Körper, dessen Reaktionen ich nicht mehr zuverlässig einschätzen kann?"
Vielleicht kennen Sie das: Sie sind erschöpft und möchten sich ausruhen – aber wirkliche Erholung stellt sich trotzdem nicht ein. Sie sind müde und erschöpft, gleichzeitig fällt es schwer abzuschalten. Der Schlaf bringt nicht die gewohnte Erholung oder Sie wachen auf und fühlen sich, als hätten Sie kaum neue Kraft gewonnen. Das kann besonders frustrierend sein. Man nimmt sich zurück, sagt Verabredungen ab, plant Pausen ein – und trotzdem reicht die Energie nicht für das, was früher selbstverständlich war. Es kann schwer verständlich sein, warum Erholung trotz Ruhe ausbleibt und der eigene Körper auf Belastungen plötzlich anders reagiert als früher.
In der Craniosacral Therapie berücksichtige ich genau diese veränderte Belastbarkeit. Gerade bei Long Covid ist nicht nur entscheidend, wie eine Behandlung während der Sitzung vertragen wird, sondern auch, wie es Ihnen in den Stunden und am folgenden Tag danach geht. Verzögerte Reaktionen werden deshalb bei der weiteren Behandlung berücksichtigt. Der Fokus liegt darauf, mit den vorhandenen Kräften so zu arbeiten, dass die Behandlung selbst nicht zu einer zusätzlichen Belastung wird.
Sicherheit vor Leistung
Bei Long Covid kann die Belastung weit über körperliche Erschöpfung hinausgehen. Der Verlust von Belastbarkeit, Alltag, Arbeit, sozialen Kontakten und Zukunftsperspektiven kann psychisch sehr schwer wiegen. Bei manchen Betroffenen können Hoffnungslosigkeit oder auch Suizidgedanken auftreten. Eine solche psychische Belastung braucht besondere Aufmerksamkeit und entsprechende fachliche Unterstützung.
Fazit
Craniosacral Therapie verstehe ich bei Long Covid und Fatigue als ergänzende Behandlung zur medizinischen Abklärung und Versorgung.
Der Fokus liegt konkret darauf, körperliche und psychische Erschöpfung gleichermassen ernst zu nehmen und mit den Kräften zu arbeiten, die tatsächlich vorhanden sind. Die Behandlung wird so ausgerichtet, dass sie nicht zu einer zusätzlichen Belastung wird und Stabilisierung, Selbstregulation und Regeneration unterstützt. Gerade wenn Long Covid das bisherige Leben grundlegend verändert hat, können kleine, gut verträgliche Schritte wichtiger sein als der Versuch, möglichst schnell an frühere Belastbarkeit anzuknüpfen.
Veronika Barczak
Komplementärtherapeutin mit eidgenössischem Diplom
Aktualisiert: September 2026