Stress – wenn die Anforderungen zu viel werden
Stress ist eine natürliche Reaktion unseres Körpers auf Anforderungen und Belastungen. Kurzfristig hilft sie uns, aufmerksam zu werden und schnell auf eine Situation zu reagieren. Unser Nervensystem und verschiedene hormonelle Prozesse sorgen dabei dafür, dass der Körper die nötige Energie bereitstellt.
Problematisch kann Stress werden, wenn Belastungen über längere Zeit anhalten oder ausreichende Erholungsphasen fehlen. Dann kann es zunehmend schwieriger werden, zwischen Anspannung und Erholung zu wechseln. Zu verstehen, was dabei im Körper geschieht und welche Rolle die eigene Wahrnehmung und Bewertung einer Situation spielt, kann helfen, mit Stress bewusster umzugehen.
Die Wirkung von Gedanken und Gefühlen auf unseren Körper
Gedanken und Gefühle wirken sich auf unser körperliches Erleben aus. Freude, Zuversicht oder Sicherheit können sich beispielsweise in Entspannung und Wohlbefinden zeigen. Sorge, Angst oder anhaltender innerer Druck können dagegen mit Anspannung und einer erhöhten körperlichen Stressreaktion verbunden sein. Das sind unterschiedliche emotionale Ausgangslagen, die jeweils mit körperlichen Reaktionen verbunden sein können. Die Forschung stützt den Zusammenhang zwischen Emotionen und körperlich-autonomen Reaktionen, zeigt aber auch, dass diese Reaktionen individuell und kontextabhängig sind.
Wie stark wir auf eine Situation mit Stress reagieren, hängt nicht nur davon ab, was geschieht. Entscheidend ist auch, wie wir die Situation wahrnehmen und bewerten.
Erleben wir eine Anforderung als bewältigbar und haben das Gefühl, über ausreichende Möglichkeiten zu verfügen, damit umzugehen, kann die Reaktion eine andere sein, als wenn wir uns überfordert, ausgeliefert oder ohne Handlungsmöglichkeiten fühlen. Dabei spielen persönliche Erfahrungen, Erwartungen, die aktuelle Lebenssituation und die eigenen Möglichkeiten eine Rolle. Deshalb können zwei Menschen dieselbe Situation sehr unterschiedlich erleben und darauf reagieren.
Emotionaler Stress
Emotionen sind Teil unseres Stresserlebens. Besonders wenn Angst, Sorge, Ärger, Unsicherheit oder innere Anspannung über längere Zeit bestehen, können sie die Stressreaktion aufrechterhalten oder verstärken. Gleichzeitig beeinflusst unsere Art zu denken, wie wir Situationen und die damit verbundenen Gefühle erleben.
Auch das kanadische Stressforschungszentrum CESH der Universität Montreal beschreibt, dass Stress nicht allein von einer Situation abhängt, sondern davon, wie wir sie erleben und interpretieren. Gedanken, Gefühle und persönliche Erfahrungen können deshalb beeinflussen, wie stark wir auf Belastungen reagieren.
Auf diese Weise kann das Gefühl von Stress Veränderungen in unserer körperlichen Verfassung bewirken und sich auf verschiedene Bereiche unserer Gesundheit auswirken. Dazu gehören beispielsweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Asthma, Verdauungs- und Hautprobleme sowie Angst und Depression. Auch Zusammenhänge mit der Entstehung und Entwicklung weiterer Erkrankungen werden wissenschaftlich untersucht.
Impulse zur Unterscheidung zwischen rationalen und irrationalen Gedanken
Gedanken können unser Stresserleben beeinflussen. Deshalb kann es hilfreich sein, einen belastenden Gedanken genauer zu betrachten und zu prüfen, wie realistisch und hilfreich er in der jeweiligen Situation ist.
Die folgenden Fragen geben dazu eine Orientierung:
• Basiert mein Gedanke auf objektiven Tatsachen?
• Hilft mir der Gedanke, mein Leben und meine Gesundheit zu
schützen?
• Unterstützt der Gedanke mich dabei, meine kurz- und
langfristigen Ziele zu
erreichen?
• Hilft mir der Gedanke, unerwünschte Konflikte mit anderen zu
vermeiden?
• Hilft mir der Gedanke, Emotionen zu spüren, die ich in
vergleichbaren Situationen spüren möchte?
Werden mindestens drei dieser Fragen mit Ja beantwortet, kann dies ein Hinweis darauf sein, dass der Gedanke rational und hilfreich ist.
Einen weiteren Impuls für den Umgang mit Gedanken, Bewertungen und zwischenmenschlichen Situationen bieten die vier Versprechen nach Don Miguel Ruiz. Sie greifen Weisheiten auf, die Ruiz mit der toltekischen Tradition verbindet.
Die Versprechen der Tolteken (Die Tolteken waren eine Zivilisation, die um 900 n. Chr. in Südmexiko lebte) sind allgemeine Verhaltens- und Einstellungsrichtlinien, die sich in allen Lebenssituationen als sehr nützlich erwiesen haben und dabei helfen können, den emotionalen Verzerrungen und Belastungen zu begegnen.
1. Sei tadellos mit deinen Worten.
2. Nehme nichts persönlich.
3. Triff keine Annahmen.
4. Gib stets dein Bestes.
Die vier Versprechen können dazu anregen, eigene Gedanken, Bewertungen und Reaktionen bewusster zu betrachten und im Alltag anders mit belastenden Situationen umzugehen.
(Weitere Informationen; Don Miguel Ruiz, Die vier Versprechen: Ein Weisheitsbuch der Tolteken)
Relevanz für die Craniosacral Therapie
Emotionen sind Wegweiser, die uns Hinweise darauf geben, wie wir Situationen erleben und was uns innerlich bewegt. Besonders Emotionen, die wir nicht bewusst wahrnehmen oder nur schwer ausdrücken können, können sich auch körperlich bemerkbar machen und ihre Spuren hinterlassen.
Bei Stress kann es zu Spannungen und Dysfunktionen im Craniosacralen System kommen, die sich auf den gesamten Körper auswirken können. In der Craniosacral Therapie wird mit sanften Berührungen und spezifischen therapeutischen Techniken gearbeitet. Dadurch können Spannungen und Dysfunktionen reguliert und die körpereigene Selbstregulation unterstützt werden.
Spannungen können während der Craniosacral Therapie gelöst werden. Dabei können damit verbundene Emotionen und Erfahrungen bewusster wahrnehmbar und in den therapeutischen Prozess integriert werden.
Fazit
Stress gehört zum Leben. Entscheidend ist, zu verstehen, was ihn auslöst, wie Gedanken und Emotionen unser Stresserleben beeinflussen und wie sich Belastungen körperlich zeigen können. Dieses Verständnis kann helfen, eigene Stressmuster früher zu erkennen und bewusster damit umzugehen.
Die Craniosacral Therapie kann dabei unterstützen, körperliche und emotionale Reaktionen bewusster wahrzunehmen, Spannungen zu lösen und die Selbstregulation zu stärken. So können neue Möglichkeiten entstehen, mit Belastungen umzugehen und wieder mehr innere Balance zu erleben.
Veronika Barczak
Komplementärtherapeutin mit eidgenössischem Diplom
Aktualisiert: September 2026